Welche Installationshinweise und -anforderungen müssen beachtet werden?

Ein Blitz- und Überspannungsschutz (SPD = Surge Protective Device) darf nur von einer Elektrofachkraft installiert, in Betrieb genommen und gewartet werden, die mit den nationalen und internationalen Gesetzen, Vorschriften und Standards vertraut ist. Dabei sind unter anderem normative Anforderungen bzgl. den Leitungslängen, den wirksamen Schutzbereichen und der Absicherung der Überspannungsschutzgeräte zu beachten.

Einsatzbereiche

Schaltschrank Elektroinstallation

Überspannungsschutzgeräte werden immer dort installiert, wo die Leitungen und Kabel in den Schaltschrank eingeführt werden. Somit wird vermieden, dass die Störungen in den Schaltschrank eingekoppelt werden. Sie werden direkt am Anfang des Schaltschrankes abgeleitet.

Typ I Blitzableiter

Grundsätzlich sollte ein SPD so nah wie möglich am Speisepunkt der elektrischen Anlage errichtet werden. Durch den Einsatz des passenden SPD's soll eine Spannungsbegrenzung entsprechend der Isolationskoordination sichergestellt werden. So sind die nachgeordneten Installationseinrichtungen geschützt.

  • Starke Störimpulse werden über Blitzstromableiter vom Typ I direkt an der Einspeisung zur Erde abgeleitet und auf Spannungen unter 6 kV begrenzt.
  • Typ I Ableiter müssen vor oder nach dem Stromzähler installiert werden, sobald das Gebäude einen äußeren Blitzschutz oder eine Freileitungseinspeisung besitzt.
  • Vor dem Stromzähler sind nur leckstromfreie Ableiter zulässig (LCF = Leakage current free).

Typ II Überspannungsschutz-Ableiter

Die Isolationsfestigkeit von der Hauptverteilung bis einschließlich der Unterverteilung beträgt 4 kV. Der Überspannungsableiter (Typ II) wird in der Unterverteilung installiert und begrenzt die Spannung anschließend auf unter 4 kV.

  • Typ II Ableiter werden in der Hauptverteilung installiert, wenn das Gebäude über keinen äußeren Blitzschutz und auch keine Freileitungseinspeisung verfügt. In diesem Fall ist eine Installation nur nach dem Stromzähler zulässig.

Typ III Überspannungsschutz-Ableiter

Die Isolationsfestigkeit von der Unterverteilung bis zum Endgerät beträgt 2,5 kV. Der Endgeräte-Überspannungsschutz (Typ III) sitzt direkt vor dem zu schützenden Endgerät und begrenzt die Spannung auf unter 2,5 kV.

  • Es gibt sowohl Tragschienen-Lösungen als auch Produkte, die direkt hinter die Steckdose in den Kabelkanal installiert werden können.

Leitungsanschluss und -verlegung

Leitungsanschluss Überspannungsschutz

Alle SPDs verfügen über eine Erdanschlussklemmstelle. An diese muss die Erdleitung der zugehörigen Potenzialausgleichsschiene angeschlossen werden. Die Erdleitung muss mit möglichst großem Querschnitt so kurz wie möglich ausgeführt werden, da jeder Zentimeter Leitungslänge die Restspannung des SPDs erhöht.

  • Faustformel: 1 m Leitung =1 kV Spannungsfall

Bei Typ I Ableitern müssen beide Erdanschlussklemmen angeschlossen werden. Eine Leitung führt hierbei zum Potenzialausgleichsanschluss des Gebäudes und die zweite Leitung ist mit dem PE-Leiter der Installation zu verbinden.

Leitungslängen

Leitungslängen

Aufgrund des induktiven Leiterwiderstandes kann es bei einer transienten Überspannung schnell zu einem Spannungsfall von mehreren 1.000 V kommen. Dies würde den effektiven Schutzpegel des SPDs so stark verschlechtern, dass wohlmöglich die Spannungsfestigkeit der Installation oder des zu schützenden Gerätes trotz Einsatz eines SPDs überschritten werden würde. Im schlimmsten Fall könnte das Gerät geschädigt, zerstört oder sogar ein Brand erzeugt werden.

  • Aus diesem Grund fordert die Norm eine maximale Leitungslänge der Anschlussleitungen eines SPDs von ≤ 0,5 m.
  • Die Installation kann mit Hilfe des sogenannten V-Anschlusses oder einer Stichverdrahtung realisiert werden.

V-Verdrahtung

  • V-Verdrahtung

Die ankommenden und abgehenden Leitungen werden jeweils direkt an den Klemmen des SPD's angeschlossen. Dadurch ergibt sich eine V-förmige Anschlussgeometrie. Die Methode minimiert die Leitungslängen und reduziert die zusätzlichen Spannungen und Übergangswiderstände.

Stichverdrahtung

  • Stichverdrahtung

Eine Leitung wird von dem Hauptstromkreis abgezweigt und direkt mit dem SPD verbunden. Dadurch ergibt sich eine T-förmige Anschlussgeometrie. Bei der Verdrahtung kann es zu höheren Störungen führen, da die Leitungslänge größer ist und zusätzliche Übergangswiderstände entstehen können.

Schutzbereich

Leitungslänge Schutzbereich

Für einen effektiven Schutz muss der Überspannungsschutz so nah wie möglich am Einspeisepunkt der elektrischen Anlage installiert werden. Bei einem Wohngebäude ist dies beispielsweise direkt an der Leitungseinführung, im unteren Anschlussraum des Zählerschrankes.

Zusätzlich sind potenzielle, eigene Störquellen des Gebäudes zu berücksichtigen. Auch in diesen Fällen muss der Überspannungsschutz so nah wie möglich am verursachenden Gerät installiert werden.

Leitungslänge Schutzbereich

Die Norm (VDE 0100-534) regelt den maximal zulässigen Abstand zwischen einem SPD und dem zu schützenden Gerät (wirksamer Schutzbereich).

  • Die Länge der Leitungen darf maximal ≤ 10 m sein (siehe oberes Bild).
  • Kann dieser Abstand nicht eingehalten werden, muss ein zusätzlicher Überspannungsschutzableiter so nah wie möglich am zu schützenden Gerät eingebaut werden (siehe rechtes Bild).

Leitungsquerschnitte

Leitungsquerschnitte

Für die Anschlussleitungen zum SPD wird im Regelfall der gleiche Leitungsquerschnitt gewählt wie für den Außenleiter (L1, L2, L3) und den Neutralleiter (N).

Normativ fordert die VDE 0100-534 (IEC 60364-5-53) die in der Tabelle gezeigten Mindestleitungsquerschnitte für Typ I und Typ II SPDs.

TypAnschlussleitungen zwischen SPD und AußenleiterAnschlussleitungen zwischen SPD und Haupterdungsschiene oder Schutzleiter (PE oder PEN)
I6 mm2 Cu (Kupfer)16 mm2 Cu (Kupfer)
II2.5 mm2 Cu (Kupfer)6 mm2 Cu (Kupfer)

Zur Absicherung werden SPDs mit Hilfe eines Überstromschutzelementes (F2), welches für die Verlegungsart und den Querschnitt der angeschlossenen Leitung ausgelegt ist, gegen Kurzschluss oder Überlastung geschützt.

Die Leitungsquerschnitte und der Backup-Schutz für SPDs mit einer Kurzschlussfestigkeit (Isccr) von 50 kA und 25 kA sind beispielhaft der Tabelle zu entnehmen.

Absicherung von Überspannungsschutzgeräten

Schaltbild Sicherung eines Überspannungsschutzes

Überspannungsschutzgeräte verhalten sich im Normalbetrieb wie passive, nichtleitende Bauteile. Nur im Falle einer Überspannung oder am Lebensende der Schutzkomponenten kommt ein Stromfluss zustande. Dafür werden zur Absicherung die SPD's mit Hilfe eines Überstromschutzelementes (F2) gegen Kurzschluss oder Überlastung geschützt.

  • Ein zusätzlicher Schutz (F2) ist nur erforderlich, wenn der Nennwert der anlagenseitigen Sicherung F1 größer ist als der vom Hersteller ausgewiesene max. Strom des SPDs.
  • Es können Sicherungen und Leitungsschutzschalter verwendet werden.
  • Alternativ kann ein Überspannungsschutz mit integrierter Sicherung installiert werden.

Sicherungen Nennströme

  • Sicherungen besitzen eine Schmelzvorrichtung, die bei Überlastung die Verbindung trennt und den Stromkreis unterbricht.
  • Sicherungen sind Einmalbauteile und müssen nach Auslösung ausgetauscht werden.
  • Die Abbildung zeigt das Verhalten von Sicherungen bei einem Blitzstoßstrom von 10/350 μs. Besonders bei kleinen Sicherungen ist die Blitzstromtragfähigkeit stark eingeschränkt.
  • Die Sicherungen sind unter Berücksichtigung der ausgewiesenen Bemessungsströme des SPD's auszuwählen. Hierbei ist zu beachten, dass die Strangsicherung (F2) tatsächlich auch blitzstromtragfähig ist und das bei der Dimensionierung möglichst die maximale Vorsicherung gewählt wird.

  • Leitungsschutzschalter (kurz LS-Schalter) bieten durch den thermischen Auslöser einen Überlastschutz und durch die elektromagnetische Auslösung einen Schutz gegen Kurzschluss.
  • Sie können nach dem Auslösen wieder eingeschaltet werden und sind somit wiederverwendbar.
  • Kommen Leitungsschutzschalter zum Einsatz, müssen die Werte (Icu) oder (Icn) so groß sein, dass sie den Blitz-/Ableitstrom tragen können (wie gG Sicherung), d.h größer als Iimp.
  • Mehr Informationen zu LS-Schaltern finden Sie in unserer Applikationsnotiz bei den Downloads.

VPU AC I mit integrierter Sicherung

  • Eine zusätzliche Sicherung (F2) erfordert Platz und längere Anschlussleitungen. Eine zuverlässige Alternative ist ein Überspannungsschutz mit integrierter Sicherung.
  • Die Planung und Installation wird vereinfacht, da unabhängig vom Hauptsicherungswert F1 (auch größer 315 A) keine zusätzliche Vorsicherung (F2) vor dem SPD benötigt wird.
  • Bei der VPU AC F Serie wird der Zustand der Sicherung und der Zustand des SPD's überwacht.

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Paul Kalteis

Technischer Support, Drucker und Werkzeuge